Am 20.06.2026 hatte der Anglerverband Niedersachsen zur Mitgliederversammlung nach Walsrode-Krelingen eingeladen. Der ASV Braunschweig war mit dem 1. Gewässerwart Timo Fritsch und dem 1. Vorsitzenden Florian Kusatz vertreten um alle Deligiertenstimmen das ASV wahrzunehmen.
Bei sehr sommerlichen Temperaturen haben sich rd. 160 Vertreter von den Angelvereinen aus ganz Niedersachsen in Krelingen in der "Heinrich-Kemner-Halle" eingefunden. Nach einer kleinen Stärkung mit Brötchen und Getränken ging es pünktlich um 12 Uhr mit der Versammlung los. Der Präsident des Anglerverbandes Werner Klasing begrüsste alle Anwesenden und begann gleich damit die Tagesordnung zu erweitern durch einen Eilantrag, den die Versammlung zu Sitzungsbeginn eingereicht hattte. Darin ging es um die in Niedersachsen drohende Fischereiabgabe und den Umgang des AVN Präsidiums damit, dazu später im Text noch mehr.
Zunächst hielt der Verbandsbiologe Dr. Matthias Emmrich einen längeren Vortrag, in dem es um die Binnenfischereiordnung und die Fischereiabgabe ging. Nachdem die Landesregierung seit ungefähr 2013 an einer Änderung der Binnenfischereiordnung arbeitet, erwartet der Verband 2028 eine Einführung der neuen Verordnung. Einige der wichtigsten Punkte der Änderung die vorgetragen wurden sind:
- Es soll einen bundesweit einheitlichen Fragenkatalog für die Fischerprüfung geben, die Auswahl daraus angepasst an die in den Bundesländern vorkommenden Fischarten.
- Die Einführung eines Praxistages zusätzlich zu der theoretischen Ausbildung wird diskutiert.
- Eine Vorgabe zum Angeln mit Kindern ohne Vereinsmitgliedschaft/Fischerprüfung soll eingebracht werden.
- Der Fischereischein könnte Pflicht werden für alle Angler - organisiert oder nicht spielt dabei keine Rolle. Der Schein soll dann weiterhin lebenslang gültig sein und im Bankkartenformat ausgegeben werden. Jetzige Fischereischeininhaber müssten dann ihre blauen Papierausweise tauschen.
- Weiterhin soll es ein Fischereiregister geben, in dem alle Fischereischeininhaber gemeldet sind. Somit wäre der Entzug des Ausweises bei groben Verstößen gegen z.B. den Tierschutz möglich.
- Die Beangelung bedrohter Fischarten wie z.B. der Äsche, wäre nur noch möglich wenn das Vorkommen der Art durch Besatz gestützt wird.
- Der Besatz von Fischen in Fließgewässern soll dann nur noch mit Fischen aus dem Flußgebietssystem möglich sein, um die natürlichen Stämme dort zu erhalten.
Kleine Info am Rande, Niedersachsen erkennt alle Fischerprüfungen/Fischereischeine der anderen Bundesländer an, somit haben alle Gastangler aus anderen Bundesländern bei uns die Möglichkeit zu Fischen (natürlich mit entsprechenden Angelerlaubnissen).
Weiterhin führte Dr. Emmrich die bereits bekannten Fakten zu der Fischereiabgabe aus. Dabei fiel auf, dafür das der AVN angeblich keine weiteren Informationen dazu hat, die man den Regionsleitern oder gar den Mitgliedsvereinen hätte weitergeben können, das es doch schon einige Informationen dazu gab. Auf Grund von sich stetig ändernden Meinungen der Landesregierung wurde seitens des AVN-Präsidiums darauf verzichtet die Information an die Basis - also die Vereine weiterzugeben. Man argumentierte damit, das man keinen Flurfunk weitergeben möchte, der jeglicher handfester Grundlage entbehrt. Eine grundsätzliche Information darüber, das es überhaupt eine Fischereiabgabe in Niedersachsen geben soll, wäre bei den Vereinen sicherlich gut angekommen. Zumindest hätte man sich mitgenommen gefühlt und hätte nicht aus den Medien davon erfahren.
Bekannt ist bisher das von einer Summe von 20€ im Jahr ausgegangen wird, die jeder Angler - ob im Verein oder nicht- zu entrichten hat. Bei ca. 109.000 in Vereinen organisierten Anglern sind das rd. 2,2 Millionen Euro. Es ist noch unklar ob noch weitere Verwaltungsgebühren dazu kämen und wo man diese Abgabe entrichtet. Ein Vergleich mit anderen Bundesländern zeigt, dass Niedersachsen sich mit 20€ in einem überdurchschnittlichen Rahmen bewegen würde. Neben Niedersachsen haben Bremen und Sachsen momentan keine Fischereiabgabe. Wobei Sachsen bereits eine hatte und diese vor einigen Jahren wieder ausgesetzt hat, weil u.a. die Kosten für den Verwaltungsaufwand zu hoch waren und es andere Möglichkeiten geben würde Mittel für Projekte einzuwerben bzw. zu beantragen. Allerdings hat der Landesverband Sachsen in Aussicht gestellt eine Beitragserhöhung von 18€ einzuführen. Gleiches Pony - anderer Name - da hätten die Angler in Sachsen nichts gewonnen.
Der Verbandsbiologe führte noch aus, das die Gelder aus der Fischereiabgabe nur Zweckgebunden für die Belange der Fischerei verwendet werden dürfen. Ein Stopfen von Haushaltslöchern solle nicht stattfinden. Im Anschluß an diese Ausführungen fand eine z.T. hitzige Diskussion statt zur geplanten Fischereiabgabe. Die von den anwesenden Deligierten gestellten Fragen wurden abwechselnd von mehreren Mitgliedern des Präsidiums beantwortet. Nachdem die meisten Fragen beantwortet wurden, wurden die vorgesehenen Tagesordnungspunkte abgearbeitet. U.a. die Wahlen von 2 neuen Regionsleitern und Kassenprüfern, Abstimmunng über den Haushalt und die Entlastung des Präsidiums. Unter Punkt 15 wurde der zu Anfang nachgeschobene Eilantrag abgestimmt. Darin hatten die Deligierten gefordert, dass der AVN sich der Landesregierung gegenüber deutlich von einer Fischereiabgabe in Niedersachsen distanziert und diese im Namen der Mitgliedsvereien ablehnt. Weiterhin soll das Präsidium, sobald es Neuerungen in Sachen der Fischereiabgabe geben sollte, umgehend die Regionsleiter und Vereine darüber informieren. Diesem Antrag wurde mit großer Mehrheit zugestimmt- auch mit den Stimmen des ASV Braunschweig. Somit ist das Präsidium in der Pflicht, im Sinne der meisten Angler in Niedersachsen zu handeln, was in den letzten Jahren gefühlt nicht immer der Fall war.
Unter dem Punkt "Verschiedenes" wurden weitere Fragen der Deligierten beantwortet. Zudem sprach der Präsident Werner Klasing an, 2027 bei der Mitgliederversammlung nicht wieder zur Wahl zu stehen und bat die Versammlung darum sich bereits jetzt Gedanken zu machen, wer sich vorstellen könnte sich als Nachfolger/in zur Wahl zu stellen. Ebenso deutete der Vizepräsident und Geschäftsführer Matthias Jaep an, ggfs. auch sein Amt 2027 zur Verfügung zu stellen. Zur Überraschung aller Anwesenden inklusive des Präsidiums, trat der Jugendleiter Christopher Knoke auf der Versammlung zu sofort zurück. Zu den Gründen konnte -auch auf Anfrage einer Deligierten- nichts weiter gesagt werden. Das Präsidium des AVN muss jetzt einen neuen Jugendleiter finden.
Gegen 14:30 Uhr schloss der Präsident die Veranstaltung, wünschte allen Deligierten eine gute Heimreise und gab den Tipp bei der Hitze lieber in den kühleren Abendstunden zu angeln.... Na wer hätte das gedacht... ;-)

Verbandsbiologe Dr. Matthias Emmrich (BIldmitte mit Mikrofon) stand nach Beendigung seines Vortrages noch für weitere Fragen der Deligierten zur Verfügung.

Rund 160 Deligierte aus ganz Niedersachsen fanden bei sommerlichen Temperaturen den Weg nach Krelingen.

Das Präsidium des AVN: v. li. n. re. Jugendleiter Christopher Knoke, Referent für Natur- und Umweltschutz Michael Kessler, Vizepräsident Heinz Pyka,
Vizepräsident u. Geschäftsführer Matthias Jaep, Präsident Werner Klasing, Schatzmeister Axel Schunk, Referent für Digitalstrategien Ulrich Gasch
